Die Vermittlung der deutschen Sprache oder „Wie viel Uhr ist es?“

Einen kleinen Blick in die alltäglichen Hürden der Sprachvermittlung ermöglicht uns der folgende Erfahrungsbericht aus den ersten Wochen des Sprachunterrichts für Erwachsene. Dort geben ja mittlerweile 8 Personen regelmäßig Unterricht. Auch während der Ferien.

Wie soll ich das nur erklären?

Die Vermittlung der deutschen Sprache oder „Wie viel Uhr ist es?“

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Man teilt das Zifferblatt in ein Friedenszeichen, etwa so: ☮ und dann nur noch ablesen. Je nach Lage der Zeiger zueinander erhalten wir z. B. acht Uhr. Einfach! – oder doch nicht? Schon der Laut „ch“ in „acht“ macht einigen der hochmotivierten Schüler fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Dann aber der Blick nach draußen: es ist schon spät, also nicht „acht“ sondern „zwanzig Uhr“! Das leuchtet ein. Sollten die Zeiger bei der Frage nach der Zeit jedoch die Stellung 15:20 Uhr einnehmen beginnt das Dilemma. Ist es jetzt „zwanzig nach drei“, „zehn vor halb vier“ oder jetzt, weil Nachmittag dann doch „zwanzig nach fünfzehn“?

Der geneigte Leser erkennt sofort die Problematik die mit 15:40 Uhr entstehen wird.

Noch schlimmer wird es mit den Vierteln. Bestellen wir Wein, ist klar wie viel wir bekommen, aber bezüglich der Uhrzeit? Viertel drei ist nicht dasselbe wie Viertel vor oder nach drei sondern 14:15 Uhr, bzw. 2:15 Uhr. Wir jetzt aber auch noch die Reihenfolge der Begriffe aus Versehen einer fremden Muttersprache angepasst, dann wird daraus „drei Viertel“ (dreiviertel), das wäre dann 14:45 oder 2:45 Uhr oder??? Wie schaffen wir es unter diesen Bedingungen überhaupt, jemals pünktlich irgendwo anzukommen?!

Wer jetzt noch wissen möchte, wie der Friede mit der Uhrzeit zusammenhängt, sei gesagt er teilt ganz friedlich ein Zifferblatt in „zwanzig nach“, „zehn vor halb“, „zehn nach halb“ und „zwanzig vor“, damit jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat.

Also dann, bis kurz vor zwölf, oder vierundzwanzig, oder Null Uhr; kurz, zur Geisterstunde halt.

© P. T.